Rito und die „gastarbajteri “

Die Fotoreportagen des Jovan Rotopečki
14. Februar 2026 durch
Gerhard SOKOL

Titelbild aus dem KURIER Artikel von Uwe Mauch

Jovan Ritopečki,

den wir „Rito“ nannten, ein Fotoreporter und Syndikatsmitglied der frühen Jahre, kommt posthum zu verdienten Ehren!

Die Überraschung war für mich perfekt: Ich schlage den KURIER auf und sehe, dass der Artikel von Uwe Mauch meinem alten Kollegen Rito gewidmet ist. Die Historikerin Mag.a Dr.in Vida Bakondy schloss 2025 eine fünf Jahre andauernde Sondierungsarbeit ab - und die Uni Graz sowie das WIEN MUSEUM veröffentlichen Fotos aus jener Zeit, als die Gastarbeiter aus dem damaligen Jugoslawien in großer Zahl nach Österreich kamen.

Mir fällt sofort wieder jener Tag des Jahres 1966 ein, an dem mir - in der Pressebildagentur Votava tätig - plötzlich ein freundlicher Herr, der zur Türe hereinkam, die Rechte mit einem herzlichen „Servus“ entgegenstreckte und sich und seine Frau, eine Wiener Taxiunternehmerin, vorstellte. Mit diesem Händedruck begann eine Freundschaft mit Jovan Ritopecki, dem jugoslawischen Fotografen aus der Vojvodina in Serbien, der mit großer fotografischer Routine und bemerkenswertem Können nach Österreich kam. Er bewarb sich um einen Job in der Agentur, der Agenturchef Franz I. Votava sagte zu und Rito war in kürzester Zeit voll integriert. Kollegen waren damals neben mir u.a. auch Herbert Graf, Harry Hofmeister und Kurt Sterl.

Bald merkte ich bei beruflichen Terminen, dass Rito in Blende und Zeit lebte: 4/60 war sein Leben. Alles ordnete sich dem Tri-X oder Plus-X und dessen Belichtungsparametern unter. Jeweils ein kurzes Blinzeln – und alles war korrekt! Ob im Lokal, im Freien, mit Lampe im Seidensticker-Atelier, oder beim traurigen Licht bei der Vienna auf der Hohen Warte, er hatte immer den richtigen Tipp. Das Blinzeln reichte auch, wenn er Farb-diapositivfilme  geladen hatte und das eine oder andere Mal zur Agentur-Rollei griff. Mit der Leica war immer alles gleich, er bekam, wie ich ein Jahr zuvor, auch eine M2, Blitz dazu – und fertig. In der Dunkelkammer verglichen wir oft die Negative – seine waren garantiert gleichmäßiger belichtet. 

Schon bald saßen wir bei seinem Freund in der Schönlaterngasse, der dort ein serbisches Lokal betrieb und uns stets mit Pleskavica, Sarma und den unverwüstlichen Cevapcici verwöhnte - die ich erst bei den Olympischen Spielen in Sarajewo wieder so gut genoss.

Rito war beliebt wie selten einer, er war zuverlässig und fleißig, und er erhielt bald - wie wir angestellten Fotografen alle auch - einen Syndikats-Presseausweis, vom Chef der Agentur Votava persönlich ausgestellt!



Rito arbeitete auch für die jugoslawische Presseagentur Tanjug und hatte dabei insbesondere die jugoslawischen Gastarbeiter:innen für jugoslawische Zeitungen im Focus - was ihm nun, lange nach seinem Tod, zur Auszeichnung wurde. Seine einfühlsamen Bilddokumente geben soziologische und sozialgeschichtliche Einblicke in eine vergangene Epoche und berühren uns noch heute. Eine derart umfangreiche Dokumentation gab es eben nur von Rito über seine Landsleute! Und viele seiner Fotografien sollen noch heuer im WIEN MUSEUM gezeigt werden.    

Rito starb 1989 im 66. Lebensjahr, sein Nachlass kam zur Uni Graz. Tausende Negative wurden gescannt und archiviert. Es ist eine umfassende Dokumentation des Lebens der jugoslawischen Gastarbeiter:innen in Österreich.

Uwe Mauch verantwortet Text und Bild des KURIER-Artikels. Er gestattete, das Faksimile aus der Zeitung auch für das Titelbild dieses Blogbeitrags zu verwenden. Die Rechte des Nachlasses und die Fotos blieben bei Ritos beiden Töchtern, das WIEN MUSEUM sicherte sich die Rechte für eine kommende Ausstellung. Die fünfjährige  Hauptarbeit aber lag bei der Historikerin Mag.a Dr.in Vida Bakondy, die damit einem engagierten Fotografen und seinen Landsleuten aus dem ehemaligen Jugoslawien ein würdiges Denkmal setzt.

Gerhard Sokol


Links zum Thema:

UNI GRAZ: Picturing Migrants‘ Lives - Jovan Ritopečki

WIEN MUSEUM: Online Fotosammlung zu Jovan Ritopečki

Projekt „Balkan Wien“ - Zum Nachlass von Jovan Ritopečki

Bericht in foto.PRO.world

Bericht in den Salzburger Nachrichten 

WORLD PRESS PHOTO 1963: Zweiter Platz in General News und Photo Stories